Wertschätzung für Streuobst steigt

Artikel in der Badischen Zeitung am 02.10.2018, Von Jutta Schütz

Infotag in der Altrheinhalle zeigt: Die Geschmacksvielfalt, die alte Wiesenbäume zu bieten haben, überrascht immer wieder.

Streuobst, so zeigt sich am Besucherzuspruch und so stellen auch die Veranstalter von der “Streuobstinitiative im Landkreis Lörrach” fest, gewinnt immer mehr Fans. Das ist erfreulich für alle Naturschutzinitiativen, den Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes, aber auch für Imker, Gärtner und Baumschulen sowie für Privatpersonen, die sich für den Erhalt von Streuobstwiesen engagieren.

Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein. Die Veranstaltung, die nicht nur mit 25 Ausstellern zum Thema Streuobst, sondern auch mit interessanten Fachvorträgen punktete, wurde von Schirmherrin und Landrätin Marion Dammann eröffnet. Sie konstatierte, dass das Interesse an der Vielfalt und Bedeutung der Streuobstwiesen für Landschaft und Artenschutz kontinuierlich wächst. Betrüblich sei aber, dass nach wie vor viel Mostobst ungenutzt auf den Streuobstwiesen liegen bleibe. Zukünftig gelte es deshalb, noch mehr Menschen für Streuobst zu sensibilisieren – auch, was die Pflege der Wiesen angehe.

Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski und der Vorsitzende der Fachwartvereinigung Markgräflerland, Andreas Breisinger, rühren dabei die Werbetrommel für die Fachwartausbildung für Obst und Garten. Wüssten mehr Menschen, wie man Obstbäume richtig zurückschneidet, wäre der Zustand vieler der noch vorhandenen alten Streuobstbäume nicht so schlecht, so Breisinger. Denn mit der richtigen Pflege könnte man alte Bäume noch einmal zum Leben erwecken. Drei Plätze sind noch frei beim aktuellen Kurs für die Fachwartausbildung, der jetzt beginne.

Noch mehr als bei den vergangenen Streuobsttagen hatten die Fachleute zu tun. Hermann Schreiweis und Werner Nussbaum sind Pomologen und waren aus Hessen angereist. An ihrem Tisch stand eine lange Schlange von Besuchern, die Äpfel und Birnen aus den eigenen Gärten mitgebracht hatten, um sie bestimmen zu lassen. Oftmals ist es nämlich so, “dass man leider keine Ahnung hat, was auf dem Baum wächst”, stellte Besucherin Beatrice Echle aus Weil fest. Bei ihr waren es ein “Riedberger Bohnapfel”, ein “Rheinischer Winterrambur” und ein “Roter Stettiner”. Nussbaum verdeutlichte, dass es im Supermarkt “ungefähr acht Apfelsorten” zu kaufen gibt, beim Streuobst seien es 2000 bekannte Apfel- und mehr als 300 Birnensorten mit einer ebensolchen Geschmacksvielfalt. Schreiweis und Nussbaum glichen die Äpfel und Birnen mit Computerdateien, Büchern und umfangreichen Kernsammlungen ab. Dazu kamen Hinweise auf den Reifegrad, Geruchs- und Geschmackstests.

Wolfgang und Jutta Deetjen aus Seebach kamen als Streuobstwiesenbesitzer, die einen Altbestand erworben haben und nun wissen wollen, welche Sorten sie dort pflegen. Sie interessierten sich zudem für die Verwendbarkeit ihrer Produkte, etwa zum Brennen, Trocknen oder Einmachen. Das Ehepaar hat noch etwas beobachtet: “Fängt mal jemand an, die alten Wiesen zu pflegen, dann wird er oft zum Zugpferd für die Nachbarn – Vorbilder können Schule machen”, überlegte Wolfgang Deetjen.

Genau darum geht es auch Imkern wie Markus Strauß aus Weil oder seinen Mitstreitern aus dem Wiesental, den Naturschutzverbänden sowie den kleinen Streuobstmostereien: Das, was man an Produkten aus Streuobst verwerten kann, soll nicht nur kulinarisch, sondern auch ideell an Wert gewinnen. Der Streuobsttag ist hier auf einem goldrichtigen Weg.