Obst- und Gemüseanbauregion Südbaden

Geografie und Klima

In der Oberrheinischen Tiefebene und am Hochrhein befinden sich warme bis sehr warme Standorte, die sich besonders für den Anbau von Wein und Obst (besonders Frühsorten) eignen. Das warme Klima begünstigt unter anderem den Anbau von Steinobst, Walnüssen und Tafeltrauben sowie neuer, sehr spät reifender Kernobstsorten wie ‚Braeburn’, oder ‚Kiku’.

In den Ebenen dieser Region wird überwiegend Mais angebaut; auf den kleineren Flächen und günstig geneigten Hanglagen gedeihen Obst und Wein. Mittelgründige Lößböden und ausreichende Niederschläge bieten hier günstige Voraussetzungen für die Entwicklung des Obstes. In einigen Gebieten erschweren jedoch Steillagen, hoher Kalkgehalt und Trockenheit den Anbau.

Vorteilhaft ist auch die im Hügelland des Rheintales geringe Spätfrostgefahr – auf Frostschutzberegnung kann deswegen in der Regel verzichtet werden. Erheblich ist jedoch die Gefahr des Hagels, weshalb zunehmend in Intensivanlagen Hagelschutznetze verwendet werden.

Obstanbaugebiet

Das wichtigste Obstbaugebiet ist das Markgräfler Land zwischen Lörrach und Freiburg. Das Gebiet erstreckt sich über die Kreise Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald. Außerdem befinden sich einige Obstbaubetriebe in der Dinkelbergregion im Süden des Landkreises.

 

Landkreiskarte Lörrach Anbau Obst und Gemüse

Betriebsstruktur

Die 129 Erwerbsobstbaubetriebe des Kreises bewirtschaften 440 ha Baumobstfläche. Fast alle sind im Arbeitskreis Erwerbsobstbau des Kreisobst- und Gartenbauverbandes Lörrach organisiert.

Somit ergibt sich eine durchschnittliche Obstkulturfläche pro Betrieb von 3,4 ha. Zu bedenken ist, dass ein Obstbau-Spezialbetrieb etwa 5-25 ha Obstflächen bewirtschaften muss, um ein Familieneinkommen zu erzielen. Nach Schätzung fallen etwa 25 Betriebe in diese Kategorie, die restlichen Betriebe sind Mehrspartenbetriebe (Kombination z.B. mit Weinbau, Landwirtschaft, Tourismus) oder Nebenerwerbsbetriebe.

Kulturen

Baumobst für den Tafelobstanbau (nur Hauptsorten sind genannt)

Apfel: ‚Delbarestivale’, ‚Elstar’, ‚Gala’, ‚Pinova’, ‚Jonagold’, ‚Braeburn’

Birne: ‚Williams’, Conference’, ‚Alexander Lukas’

Zwetschge: ‚Katinka’, ‚Cacaks Schöne’, ‚Hanita, ‚Tophit‘, ‚Jojo‘ ‚Presenta’

Süßkirschen: ‚Burlat’, ‚Giorgia’, ‚Carmen‘, ‚Kordia’, ‚Regina’

Sauerkirschen: ‚Morellenfeuer’, ‚Schattenmorelle’

Mirabellen, Pflaumen, Pfirsiche und Walnüsse werden für die Selbstvermarktung in geringen Mengen kultiviert.

Obstbau für die Verarbeitung

Der wichtigste Verarbeitungsweg ist die Brennerei. Viele Kleinbrennereien verarbeiten Obst und Wein zu Edelbränden. Einige Baumobstsorten werden vor allem für die Brennerei genutzt, darunter die Süßkirschen ‚’Dollenseppler’ und ‚Benjaminler’, die ‚Löhrpflaume’ und die ‚Williams Christbirne’.

Brennkirschen in guter Qualität gelangen auch in die Verarbeitungsindustrie.

Keltereien in der Region verarbeiten Kernobst zu Saft und Most. Die bekannteste ist die Kelterei Jacoby in Auggen.

Im Steinobstbereich gibt es Anlagen, die speziell für die Verwertung betrieben werden. Darüber hinaus gelangen Früchte von Altanlagen, aus dem Streuobstbau sowie Minderqualitäten und Überschüsse aus dem Tafelobstanbau in die Verwertung.

Erdbeeren

Rund 27 ha Erdbeeren werden angebaut, ‚Hauptsorten’ sind ‚Clery’, und ‚Darselect’  (Quelle: Gemüsebauerhebung 2012).

Strauchbeerenobst

Viele Betriebe bauen Rote und Schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren und / oder Himbeeren in kleinen Mengen an, Tendenz leicht steigend.

Spargel

Der Spargel hat in den letzten Jahren eine steigende Bedeutung erlangt. Die Saisonfrucht gelangt als Badischer Spargel als erste in die Gemüsetheken Deutschlands. Heute werden etwa 15 ha auf den Lößböden des Rheintals angebaut.

Gemüse

Der Anbau von Gemüse hat sich ebenfalls auf rund 339 ha ausgedehnt (Quelle: Gemüsebauerhebung 2012). Für die Direktvermarktung werden alle anderen Gemüsearten in kleinen Mengen angebaut.

Weinbau

Viele Obstbauern im Markgräfler Land sind außerdem Weinbauern.

Wichtige Rebsorten in Südbaden sind: ‚Blauer Spätburgunder’, ‚Müller Thurgau’, ‚Ruländer’, ‚Riesling’, ‚Weißer Burgunder’ und die Regionalsorte ‚Gutedel’.

Vermarktung

Erzeugergroßmarkt (EGRO) Südbaden eG
Die Genossenschaft baut in der Region Südbaden Obst und Gemüse überwiegend für die Vermarktung über den Obstgroßmarkt Südbaden an. Die Region Südbaden umfasst den Kaiserstuhl, den Breisgau, das Markgräflerland und den Hochrhein. Dazu betreibt sie neben dem Großmarkt Vogtsburg eine Sammelstelle in Efringen-Kirchen, mitten im Anbaugebiet Markgräflerland. An beiden Standorten unterhält sie Sortieranlagen und Kühlläger.

Obstmengen im Markgräflerland erfaßt von der EGRO:
Sammelstelle Eggenertal 1100 Tonnen pro Jahr
Efringen- Kirchen 4200 Tonnen

Qualitätssicherung

Die meisten Erzeuger sind bereits nach den Qualitätssicherungssystemen QS oder GlobalGAP zertifiziert. Diese bringen rund 90 % des Umsatzes des Obst- und Gemüsevertriebes Südbaden an den Lebensmitteleinzelhandel. Fast alle Einzelhändler machen diese Zertifizierung zur Bedingung für den Ankauf von Obst und Gemüse.

 

Die Qualitätssicherungssysteme verlangen von den Landwirten unter anderem:

Umweltfreundlicher Anbau im Sinne der Integrierten Produktion
Flächennachweis und lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte
Vollständige Dokumentation der Kulturführung, der Düngung und des Pflanzenschutzes
Nachweis von Bodenproben, Proben des Beregnungswassers
Produktproben mit Untersuchung auf Pflanzenschutzmittelrückstände
Anforderungen an die Hygiene,und die Arbeitssicherheit
Herkunftszeichen für landwirtschaftliche Produkte aus Baden-Württemberg

Die Herkunftszeichen für Erzeugnisse aus Baden-Württemberg sollen dem Bedürfnis der Verbraucher nach regionalen Produkten entgegenkommen:Gesicherte Qualität (für Produkte aus kontrollierten Integriertem Anbau

Direktvermarktung

Ein großer Anteil der Obsterzeuger vertreibt einen Teil oder seine gesamte Produktion direkt an den Verbraucher. Der wichtigste Vermarktungsweg ist der Wochenmarkt. Außerdem gibt es Hofläden, Straußenwirtschaften und mobile Verkaufsstände.

Streuobstbau

Der Streuobstbau bildete vor 50 Jahren einen Grünen Gürtel um die meisten Städte und Gemeinden. Dieser ist durch Bebauung, Überalterung und mangelnder Pflege seitdem um etwa die 50-80 % zurückgegangen. Die größten flächendeckenden Obstwiesen gibt es an den Übergängen vom Rheintal zum Südschwarzwald, z.B. im Kandertal, im Wiesental und auf dem Dinkelberg. Neben Apfelbäumen findet man auch Birnen, Süßkirschen, Zwetschgen und Walnüsse.

Die Früchte von einigen Streuobstsorten werden als Tafeläpfel gegessen, z.B. ‚Boskoop’, ‚Goldrenette von Blenheim’ oder ‚Glockenapfel’. Insgesamt dominieren aber robuste Mostapfelsorten wie ‚Brettacher’, ‚Rheinischer Bohnapfel’, ‚Gehrers Rambur’ oder ‚Bittenfelder’, sowie Mostbirnensorten wie ‚Gelbmöstler’, ‚Grüne Jagdbirne’ oder ‚Schweizer Wasserbirne’.