Genossenschaften sind “aktueller denn je”

Pressebericht Badische Zeitung von Jutta Schütz, Fr, 23. März 2018

KANDERN. Sind Genossenschaften eher altbacken oder ein Modell für die Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Vortrag von Ansgar Horsthemke vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) beim Obst- und Gartenbauverband Lörrach.

Der eine oder andere Zuhörer hatte schon von Problemen verschiedener Genossenschaften gehört. Prominentestes Beispiel in jüngster Zeit sind etwa Winzergenossenschaften, die Mitglieder verlieren, weil junge Winzer lieber ihr eigenes Ding drehen. Oder die Auszahlungspreise stimmen nicht. Oder es gibt Unstimmigkeiten in der Geschäftsführung. Dagegen stehen viele Neugründungen bei den Erzeugergenossenschaften, nämlich 150 in den vergangenen zehn Jahren. Insgesamt sind in Baden-Württemberg 630 Genossenschaften im BWGV gemeldet.

Die neuen Genossenschaften, in denen sich auch junge Leute wiederfinden, dienen vorwiegend der Sicherung der ländlichen Daseinsfürsorge. Es geht um die Neugründung oder den Erhalt von Läden, von Gasthäusern, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und mehr. “In zwei Gemeinden im Land wurden beispielsweise genossenschaftlich betriebene Ärztehäuser gegründet”, sagte Horsthemke.

Genossenschaften seien nach wie vor sehr modern. Deshalb hat sich der BWGV auf die Fahne geschrieben, das etwas eingestaubte Image aufzupolieren und das Genossenschaftswesen aus dem Schattendasein herauszuführen, denn “Genossenschaften sind heute aktueller denn je – ihre Anteile werden zum Beispiel nicht auf Finanzmärkten verhandelt”, machte der Referent deutlich. Das Ziel des Zusammenschlusses ist die Förderung der Mitglieder durch den gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb. Der Schutz vor Spekulationen steht ganz oben. Ehrenamtliche Strukturen sind in einer Genossenschaft vorausgesetzt: “Es braucht wie in einem Verein einen Vorstand”, sagte der Genossenschaftler.

In vielen Genossenschaften gibt es “verkrustete Strukturen und einen Mangel der Konsensfähigkeit”. “Uns erreichen Nachrichten, dass ältere Mitglieder im Vorstand an ihren Stühlen kleben, da besteht also Diskussionsbedarf, dass man ein gutes Miteinander von Jung und Alt erreicht, denn sonst sind diese Genossenschaften irgendwann nicht mehr zukunftsfähig”, mahnte Horsthemke. Der BWGV stellt fest, dass junge Mitglieder in landwirtschaftlichen Genossenschaften nicht etwa Auszahlungsgelder ganz oben als Ziel anstellen, sondern eher an einer modernen betriebswirtschaftlichen Ausrichtung interessiert sind.
“Wir gehen auch in Fachschulklassen und lassen dort Formate ausprobieren oder veranstalten genossenschaftliche Planspiele, das alles um langfristig die Wertschöpfung in einer Region zu erhalten, die vielfach von Genossenschaften ausgeht”, beschrieb Horsthemke Aktivitäten des Verbandes. In kurzen Filmen aus der Kategorie “Erklär’s mir”, wird gezeigt, wie Genossenschaften funktionieren. Ganz wichtig bei modernen Genossenschaften ist die Vernetzung und Kommunikation der Mitglieder untereinander, ob über Facebook, Whatsapp, Twitter, oder E-Mail. Der Verband gibt Hilfestellung bei Fragen und bietet, im Fall “dass es irgendwo in einer Genossenschaft kracht”, auch geschulte Mediatoren als Vermittler an.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/kandern/genossenschaften-sind-aktueller-denn-je–150764302.html

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