Der Huttinger Kevin Brändlin hat eine neue Anbaumethode für Kirschen entwickelt

Mit der UFO-Anbaumethode hat der Huttinger Kevin Brändlin ein Zukunftsmodell entwickelt
2500 junge Kirschbäume hat Kevin Brändlin an einem Drahtspalier gezogen. Mit dem Ertrag steigt der Pflegeaufwand.

Was sichert die wirtschaftliche Existenz in einer sich verändernden Welt? Erfindungen, die sich im Alltag bewähren. Was für Industriebetriebe gilt, trifft auch auf die Landwirtschaft zu. Die BZ stellt deshalb in einer kleinen Serie Bauern vor, die sich auf Neuland gewagt haben. Dafür erhielten sie den Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovationen. Teil zwei erzählt die Geschichte von Kevin Brändlin und seiner neuen Anbaumethode für Kirschen.

Man braucht etwas Vorstellungskraft, wenn man an diesem frostigen Wintertag auf der Kirschplantage von Kevin Brändlin steht. Noch sind die Bäume kahl, doch in fünf Monaten beginnt hier die Kirschernte. Dann müssen benachbarte Obstbauern auf lange Leitern klettern, während die 30 Saisonkräfte vom Obsthof Brändlin aus Huttingen, einem Ortsteil von Efringen-Kirchen, bequem im Stehen ernten können. “Unsere Fruchttriebe wachsen aufrecht”, erklärt Kevin Brändlin, dessen Familie vom Obstbau lebt. Der 27-jährige Gärtnermeister hat sich wie die Eltern auf Obstbau spezialisiert und vor sieben Jahren ein neues Erziehungssystem zum Anbau für Tafelkirschen eingeführt. Kurz UFO genannt. UFO steht für “Upright Fruiting Offshoots”, also aufrecht wachsende Fruchttriebe. Die Grundidee stammt aus den USA. Kevin Brändlin hat diese Methode weiterentwickelt und an hiesige Bedingungen angepasst. Viele Experten hielten das für unmöglich.
Im Gegensatz zur üblichen “Deutschen Spindel” bietet das UFO-System viele Vorteile. Da hier keine Leiter mehr benötigt wird, ist eine höhere Ernteleistung möglich, während die Unfallgefahr gemindert wird. Der Baumschnitt ist weniger kompliziert und kann auch von ungelerntem Personal und in manchen Fällen sogar von Maschinen übernommen werden. Die Qualität wird durch die Vermeidung von Schattenfrüchten, die Quantität wird durch engere Bepflanzung gesteigert. Zudem spart UFO, umgerechnet auf das Kilo Kirschen, sowohl Dünger als auch Pflanzenschutzmittel. Für UFO hat Brändlin nun den zweiten Platz beim Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovation errungen.

50 Obstbauern, schätzt Brändlin, gibt es im Landkreis Lörrach, im Haupt- und Nebenerwerb. Viele könnten von der neuen Anbaumethode profitieren. Doch nur einer außer ihm hat bisher auf UFO umgestellt. “Man geht schon ein Risiko ein, die Investitionskosten für eine Anlage sind fast doppelt so hoch wie beim klassischen Anbau und man muss die Formierungsarbeit konsequent durchführen”, sagt der Jungunternehmer. Mit fünf festangestellten Mitarbeitern bringt er die Bäume in die richtige Form. Das Wachstum der Triebe wird streng kontrolliert, erst im zweiten Jahr nach der Pflanzung darf der Hauptstamm in die Waagerechte gezogen werden. Sonst gibt es keinen gleichmäßigen Austrieb. 2500 Kirschbäume haben sie gepflanzt, die mittlerweile einen Ertrag von 16 Tonnen pro Hektar bringen. Beim herkömmlichen Spindel-Anbau rechnet man mit einem Ertrag von zehn Tonnen auf gleicher Fläche. Brändlin rechnet damit, dass die Erntemenge noch steigen wird, wenn die Fruchtwand einmal ihre endgültige Höhe von drei Metern erreicht und mehr Knospen bildet. Dann könnten sie doppelt so viel ernten wie beim herkömmlichen Spindelanbau, schätzt er.

Auch betriebswirtschaftlich sei die UFO-Methode ein Gewinn. Denn beim Kirschanbau fallen vor allem Lohnkosten ins Gewicht. Seit der Mindestlohn für Saisonkräfte bezahlt wird, rechnet sich das schnellere Ernten doppelt. “Als wir die ersten Bäume gepflanzt haben, war der Mindestlohn noch kein Thema”, erzählt Brändlin. Heute ist er froh, dass er den Schritt gewagt hat. Auch dass höhere Erträge eingefahren werden, ist wichtig für den Betrieb, der über die Hälfte seines Umsatzes mit Kirschen macht. Weil die Kirschen durch die neue Art des Anbaus ganztags besonnt würden, könnten sie zudem in Premiumqualität vertrieben werden, sagt Brändlin. Der Verbraucher sei bereit, dafür einen “fairen” Preis zu bezahlen.

25 Sorten Kirschen sowie Äpfel, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Wein vertreibt der Obsthof Brändlin über den Obst- und Gemüsevertrieb Südbaden GmbH (OGS). Seit vergangener Saison läuft der Vertrieb zusätzlich über zehn Hieber-Supermärkte im Landkreis Lörrach und zwei Verkaufsstände in Weil am Rhein und Efringen-Kirchen. Der Mehrertrag bei der Kirschernte wirke sich schon jetzt positiv auf die Preisgestaltung aus. “Vom Preisdruck des Weltmarktpreises sind wir unabhängig”, so Brändlin. Vor allem, weil Kunden regionale Produkte in Topqualität schätzten, und bereit seien, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. Der Unternehmer ist deshalb zuversichtlich. Die Investitionskosten für UFO, rechnet er, werden sich nach zwölf Jahren amortisieren.

Quelle: Badische Zeitung 07.02.2017 zum Artikel

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